Glück auf Bestellung

6 November 2011

Die wachsende Nachfrage nach Adoptionen führt zum Kinderhandel

Eine Adoption kostet heute je nach Land und Agentur 9000 bis 16 000 Euro. Weltweit führend bei Auslandsadoptionen sind die USA. In Europa liegen Italien, Spanien und Frankreich an der Spitze. In Deutschland kommen auf ein freigegebenes Kind etwa zehn Eltern, die ein Kind zur Adoption suchen.

Die Organisation „Against Child Trafficking“ fordert, Auslandsadoptionen komplett zu verbieten. „Der Handel mit Kindern ist gesteuert von der Nachfrage des Westens. Wir sind nicht gegen Adoption, sondern gegen Kinderhandel“, sagt die niederländische Menschenrechtsaktivistin Roelie Post. „Das Problem ist, dass sich beides nicht mehr voneinander trennen lässt.“ Post war bis 2005 in der EU zuständig für den Schutz von Kinderrechten in Rumänien. Damals sorgte sie dafür, dass Rumänien die Adoption von Kindern ins Ausland komplett stoppte – wegen der kriminellen Strukturen. Nun erlebt sie, wie in anderen Ländern, in Indien, in Äthiopien, in Haiti, ein neuer Markt entsteht.

Die Schar der Adoptionskritiker wächst. Terre des Hommes war eine der ersten Organisationen, die Kinder zur Adoption nach Deutschland vermittelten. Seit 1996 lehnt sie es ab, Kinder aus der Dritten Welt nach Europa zu bringen. „Wir sind der Meinung, dass es so wenig Auslandsadoptionen wie möglich geben sollte“, sagt Sprecher Michael Heuer. „Viele denken, in der Dritten Welt gebe es viele elternlose Säuglinge. Aber die Kinder, die in Indien oder Haiti in den Heimen sitzen, sind oft vier Jahre und älter und haben eine leichte Behinderung. Aber für solche Kinder gibt es keine Bewerber.“ Also wenden sich die Familien an private Adoptionsagenturen und stellen so die Behörden vor vollendete Tatsachen. „Die Agenturen versuchen, den Wunsch der Familie nach Säuglingen zu erfüllen“, sagt Heuer, „das eröffnet dem Kinderhandel Tür und Tor.“

Artikel erschienen am 06.11.2011
Freia Peters